Vielen Dank für Ihre/Eure intensiven Gedanken @Dennis58, @chulalongkorn und @Leviathan, ich weiß das sehr zu schätzen. Ich möchte zu den gestellten Fragen und Themen noch ein paar Details hinzufügen. Ich nutze mal die Zitierfunktion, damit wird der Post zwar 3 km lang aber sicher übersichtlicher.
Dennis58 hat geschrieben:hier in einem forum in dem fast alle direkt persönlich von hiv betroffen sind ist es etwas kühn ein solches projekt hier vorzustellen
Ja, das hat schon etwas Mut erfordert, hier zu posten. Ich habe ziemlich hin- und herüberlegt. Andererseits ist mir der Austausch sehr wichtig und da liegt das nahe. Ich gehe das Risiko auch ein, kritisiert zu werden.
Dennis58 hat geschrieben:sehr kritisch allen aquirierungsversuchen gegenüber geworden bin
Das ist verständlich. Ich würde an mancher Stelle auch lieber schweigen, wirken lassen und machen. Die Thematik erfordert es aber zu sprechen. Da muss man im gut dosierten Umfang auch offensiv werden.
chulalongkorn hat geschrieben:Dass dabei echtes Blut - noch dazu "betroffenes "Blut - eingesetzt werden soll, verleiht der Aktion meinem Empfinden nach eine besondere Intensität.
Ich bin froh, dass das so gesehen werden kann, das ist genau meine Intention.
chulalongkorn hat geschrieben:Gery Keszler und den Life Ball
Ja - auf Wien freue ich mich besonders!
Dennis58 hat geschrieben: Insofern bin ich ein gegner von Titlen, Beschreibungen und Erklärungen
Absolut! Worte können den emotionalen Zugang verstellen, sie sind die Quelle der Missverständnisse. Andererseits können sie auch helfen, verfeinern und uns beflügeln.
Dennis58 hat geschrieben:und das letzte bild - entgültige gefällt mir gut. es gehört für mich zu der kategorie je öfter ich es mir anschaut umso intensiver - stärker wirkt es auf mich.
Vielen Dank für diese schöne Beschreibung. Wenn diese Wirkung gelingt, habe ich meine Übung gut gemacht. Ich denke das ist die vornehmste Aufgabe der Kunst: zu berühren.
Leviathan hat geschrieben:Allerdings halte ich die Sicherheitsmaßnahmen, die auf der Webseite erwähnt werden, für etwas übertrieben.
Stimmt, das mag sich so lesen, also würde man mit "Kanonen auf Spatzen" schießen. Die Notwendigkeit dieser Sicherheitsmaßnahmen ist weniger medizinisch oder wissenschaftlich zu begründen, sondern juristisch motiviert. Ich muss – vor allem wenn das Bild öffentlich gezeigt wird – meiner Sorgfaltspflicht nachkommen und entsprechende Maßnahmen ergreifen. Ich dachte anfangs, dass man da gar nichts machen muss, da der Kontakt mit der Luft die Viren inaktiviert und das Bild damit nicht mehr infektös ist. Das war auch die überwiegende Meinung von Ärzten und Experten. Dann wurde ich allerdings von verschiedenen Virologen darauf hingewiesen, dass man das so nicht sagen kann, denn es gibt theoretisch die Möglichkeit, das Virus zu reaktivieren (z.B. Blut vom Bild entfernen, entsprechend aufbereiten und dann in den Blutkreislauf einbringen). Es hat einige Zeit und Gedankenarbeit erfordert bis wir herausarbeiten konnten, dass es auf eine Unterscheidung von theoretischer Möglichkeit und praktischer Relevanz ankommt. Wenn man vom Standpunkt einer unfreiwilligen Ansteckung und normaler Handhabung des Bildes ausgeht ist eine Ansteckungsgefahr praktisch nicht relevant. Hierzu habe ich nun eine Bestätigung von zwei anerkannten Institutionen aus dem Bereich Virologie. Um aber zusätzlich Sicherheit zu schaffen werde ich das Bild in einem Autoklav behandeln lassen, das ist ein Dampfdrucksterilisator und mit einer Sicherheitsscheibe abdecken. Ich kann mir vorstellen, dass sich das für einen betroffenen Leser schon seltsam liest, es ist aber aus rechtlicher Sicht notwendig, diese Maßnahmen zu ergreifen ... ich könnte wahrscheinlich ein Buch darüber schreiben.
Leviathan hat geschrieben:Wird denn Blut von bislang untherapierten HIV-Infizierten verwendet? Oder von solchen unter ART?
Ich kann im Moment noch gar nichts dazu sagen, welches Blut verwendet wird, denn es hat sich bisher noch kein Spender für Berlin gefunden. Ich habe das Gefühl, dass einige Personen überlegen, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen. Ich habe das einfacher eingeschätzt, da war ich wohl etwas blauäugig. Vielleicht habe ich den Aspekt der Anonymität unterschätzt, denn obwohl es einen gut ausgearbeiteten Ablaufplan gibt (Blutabnahme von 35 ml über den eigenen HIV-Arzt im Vorfeld der Aktion, Kommunikation zu mir nur über den Arzt), bleibt vielleicht doch ein unsicheres Gefühl im Raum oder eine Schwelle, über die man gehen muss. Ich respektiere das auch und gebe mir Mühe Vertrauen aufzubauen, indem ich selbst sehr offen mit dem Thema umgehe, gleichzeitig aber behutsam, wenn es um persönliche Belange geht.
Leviathan hat geschrieben:Im letzerem Fall wäre das doch eine gute Gelegenheit auf die positiven Effekte der Therapie hinzuweisen (VL unter NG, erheblich gesunkene bis nicht mehr vorhandene Infektiösität durch das Blut).
Ich finden den gedanklichen Ansatz, die positiven Effekte der Therapie aufzuzeigen durch die Darstellung der Viruslast im Blut sehr interessant. Dazu müsste man natürlich mit dem Arzt zusammenarbeiten und entsprechende Analyse des Blutes beifügen bzw. kommunizieren. Die Sicherheitsmaßnahmen (s.o.) müssten allerdings trotzdem getroffen werden.
Leviathan hat geschrieben:gibt es denn in der Ausstellung noch Hintergrundinformationen zu den Blutspendern? Wer sie sind (damit ist jetzt nicht die bloße Namensnennung gemeint, da viele Blutspender sicherlich anonym bleiben möchten), wie ihr Leben aussieht, was HIV für sie bedeutet et cetera?
Selbstverständlich könnte der/die Spender auch zu Wort kommen. Ich fände das sehr wertvoll. Ich würde sehr gern ein Statement des Spenders veröffentlichen, seine Gedanken, seine Motivation ... ich würde auch gern mit ihm/ihr telefonieren oder mich gedanklich austauschen. All das ginge ja (wie zum Beispiel auch hier im Forum) ohne Nennung eines Namens. Aber wie gesagt: dazu müsste zunächst ein Betroffener gefunden werden, der bereit wäre zu spenden.
Vielen Dank nochmals, hier dabei sein zu dürfen und so freundlich empfangen worden zu sein!