Für Anna . . .
. . .damit sie mir wieder gewogen wird, bleibt und auf ewig sein möge . . .
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To äliniko Kunupi
oder Die griechische Schnake
Man trifft sie in jedem Hotelzimmer. Im Gegensatz zur deutschen Schnake ist die griechische Schnake - äliniko kunupi - jedoch eine Schnake der besonderen Art. Während die deutsche Schnake immer in größeren Ansammlungen anzutreffen ist und sich bei Eintritt eines Bewohners in sein Wohn oder Schlafzimmers zu Hause sofort auf ihn stürzen, ist die griechische Schnake von ganz anderer Art. Ja, fast könnte man sagen, daß sie aus der Art geschlagen ist.
Die äliniko kunupi hängt erst einmal unauffällig rauchend und einen Frappe genießend in der äußersten Ecke der Zimmerdecke und unerreichbar für einen Handtuch schwingenden Urlauber und beobachtet. Während des Tages geht von der Kunupi überhaupt keine Aktivität aus. Außerdem ist es für jegliche Aktivität tagsüber eh zu heiß - also warum sich anstrengen. Gegen abend, wenn es sich etwas abgekühlt hat, kommt die Kunupi so langsam in Fahrt. Schließlich fordert ihre Natur ihren Tribut - und der heißt Blut.
Aber alles geschieht mit Bedacht und in großer Gelassenheit. Dies ist überhaupt das wesentlichste Unterscheidungsmerkmal zwischen der deutschen und der griechischen Schnake. Überhaupt ist alles was die äliniko kunupi macht von einer Gelassenheit und Ruhe geprägt, über die sich die deutsche Schnake nur wundern würde.
Mittlerweile liegt der Urlauber vom alltäglichen Programm völlig erschöpft im Bett. Seine letzten Gedanken vor dem Einschlafen sind bei der morgigen Tour - der Ersteigung des Berges Olymp - da kommt der große Moment der äliniko kunupi. Jetzt ist ihre Zeit gekommen. Von Hunger und Durst beflügelt erfolgt der erste Angriff auf das Ohr des Opfers. Hierin gleichen sich alle Schnaken dieser Welt. Es ist immer zuerst das Ohr, das sie ansteuern. Wahrscheinlich gibt es bei allen Schnaken dieser Welt ein Fair Play Gen das da zum Ausdruck gebracht wird. Der Angriff auf das Ohr erfolgt also weniger in der Absicht ihn am Ohr anzuzapfen, als den Urlauber ganz einfach daran zu erinnern, das sein Urlaubsprogramm noch lange nicht zu Ende ist.
Von Panik erfaßt und sein Blut verteidigend taumelt der mittlerweile schlaftrunkene Urlauber aus dem Bett, greift nach einem Handtuch, macht das Licht an und macht sich auf die Suche nach äliniko kunupi. Und nun kommt die zweite Eigenart der äliniko kunupi zum tragen. Während die gemeine deutsche Schnake groß, laut und immer in Bewegung ist, sitzt die äliniko kunupi klein und unscheinbar schon wieder für den Handtuch schwingenden Urlauber unerreichbar in der äußersten linken oder rechten Ecke - je nach Standpunkt des schlaftrunkenen Handtuchschwingers - der Zimmerdecke und amüsiert sich köstlich. Als dieser nach 10 Minuten angestrengtem Suchens die Kunupi dennoch nicht ausfindig machen konnte, legt er sich völlig erschöpft und einem Nervenzusammenbruch nahe, wieder ins Bett. Und diesmal schläft er auch sofort ein, merkt also nichts von dem Biß der Kunupi. Nachdem diese sich gesättigt hat, gibt auch sie sich einem wohlverdienten Verdauungsschläfchen hin.
Nach einem für die Kunupi langem und erholsamen Schlaf von einer Stunde, beschließt sie den Gast daran zu erinnern, das auch des Nachts des Programm weiter geht und das sie es ist, die sagt wann der Gast schlafen darf und wann nicht. Denn schließlich und letztendlich ist der Gast ja deshalb nach Griechenland in Urlaub gefahren um etwas zu erleben, fremde Sitten und Gebräuche kennen zu lernen. Und das Erleben kennt weder Zeit noch Grenzen - und to äliniko kunupi ist beides unbekannt.
