. . wenn wir gerade beim reminiscing dabei sind . . . hier
Eindrücke eines Griechenlandurlaubes
Griechenland - dieses Wort impliziert, das alles eine Spur langsamer ist. Besonders dann wenn man es sächsisch ausspricht. De Grieschen grieschen -> die Griechen kriechen, was natürlich nicht stimmt. Alles was sie tun ist dem Klima Rechnung zu tragen und das zeugt von einer sehr gesunden Einstellung. In der Zeit zwischen 14.00 und 16.00 ist man auf Grund der Hitze buchstäblich zu keiner schnelleren Geschwindigkeit in der Lage als die Tasse griechischen Kaffees oder eines Nescafés Frappe langsam zum Mund zu führen und eine Zigarette in langsamen Zügen zu genießen. Alle Geschäftigkeit ist in dieser Zeit auf ein Minimum reduziert. Hier setzt man also die Entdeckung der Langsamkeit in die Tat um. Man sitzt im Schatten, trinkt seinen Frappe, raucht eine Zigarette nach der anderen und ist erstaunt über die Aktivitäten der Deutschen Urlauber. Die Griechen haben es also im Laufe der Zeit gelernt sich diesen Temperaturen anzupassen. Schon das alleine zeugt von einer Einsicht und Reife, die manch anderen Völkern abgeht.
Schon auf den ersten Blick ist der Deutsche im Urlaub auf Grund seines Gebarens eindeutig als Deutscher zu identifizieren. Man erkennt ihn an der Art und Weise seiner Aktivitäten. Für die meisten Deutschen - so scheint es - ist der Urlaub die Fortsetzung des Alltags in einer anderen Umgebung. Was den Deutschen bei der Arbeit charakterisiert, das setzt sich im Urlaub fort. Mit Ausdauer, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit sucht er sich z.b. Postkarten aus. In der Hauptstraße des Ortes Metamorfosis - 311 Einwohner, 71 herrenlose Hunde und 49 Katzen - meines Urlaubdomizils, gibt es 5 oder 6 Geschäfte, deren Postkartenständer auf den Bürgersteigen vor den Läden stehen. Und wie könnte es anders sein - richtig - sie sind stehen natürlich alle in der Sonne. Doch das ficht den Deutschen nicht an. Mit geradezu wissenschaftlicher Akribie studiert er jeden Einzelnen der insgesamt 15 Postkartenständer aller Läden. Nach einer 30minütigen schweißtreibenden Prüfung stellt er dann zufrieden fest das alle Läden die gleichen Postkarten verkaufen. Im Hochgefühl dieses Erfolges geht er dann in den ersten Laden zurück - natürlich wieder in der Sonne - um sich dann die Karten seiner Wahl zu kaufen. Warum geht er nicht wenigstens auf der anderen Seite der Straße zurück, dort wo Schatten ist werden Sie sich vielleicht fragen? Nun das ist ganz einfach. Auf dieser Straßenseite befinden sich ausgesprochene griechische Geschäfte wie eine Bäckerei, eine Pastisserie, ein griechisches Kaffee - alles Plätze die dem Deutschen fremd und - scheinbar unheimlich sind. Dinge die er nicht kennt, Dinge die ihm fremd sind, von denen hält er sich fern. So wurde er ja schließlich auch erzogen. Spiele nicht mit fremden Kindern, halt dich von Fremden fern, iß nur das was Du kennst usw. Die kulinarischen Renner unter den Touristen in Griechenland sind - richtig sie haben es erraten - Pizza, Hamburger, Spaghetti und Schnitzel mit Pommes.
Doch zurück zu unserem Urlauber aus Deutschland. Am Abend findet das faszinierende Gebaren des homo urlaubiensis germanicus am abendlichen Büfett seinen Fortgang. Die Teller können nicht groß genug sein. Die Portionen die sich jeder auf den Teller lädt, würden zu Hause in der Regel zur Verpflegung einer 4 köpfigen Familie ausreichen. Aber man hat ja schließlich all inclusive gebucht und das muß man doch ausnutzen. Wer weiß ob es morgen auch noch was zu essen gibt.
Das erstaunlichste jedoch ist das was unser deutscher Urlauber unter Urlaub versteht. Montag von 8.00 - 16.00 Uhr Fahrt mit dem Bus und Boot zum Berg Athos. Dienstag von 8.00 bis 19.00 Fahrt nach Thessaloniki, Mittwoch von 7.00 bis 21.00 eine insgesamt ca. 400 km lange Fahrt zu den Klöstern von Meteora. Am Donnerstag steht dann die große Sithonia Rundfahrt auf dem Programm. Am Freitag würde man sich ja gerne mal an den Strand legen. Aber der Druck der Gruppe ist so stark, da geht man lieber auf ne 6 stündige Wanderung durch die Olivenhaine zum Kloster auf den Berg. Nach einer Woche Urlaubsaktivitäten der geschilderten Art ist Mann und Frau dann so erschöpft wie nach der alljährlichen Inventur eines großen Warenhauses. Aber, man ist ja schließlich im Urlaub in einem fremden Land und man ist es den daheim Gebliebenen ja schließlich schuldig.
Und der Grieche - was macht er? Er sitzt im Kaffee im Schatten, beobachtet dieses merkwürdige Treiben, raucht seine mittlerweile 25 oder 26 Zigarette, genießt seinen 3 Frappe und ist über die Leidensfähigkeit des Deutschen über alle Maßen erstaunt.
Ach ja, denkt der Deutsche. So gut möchte ich´s auch mal haben. Im Schatten sitzen, einen griechischen Kaffee trinken - wie der wohl schmecken mag? - und vielleicht mal eine dieser verlockenden unbekannten Köstlichkeiten probieren.
